lichte wirkstätte

hier das erste foto meiner damals neuen wirkstätte auf dem gelände des berliner asylverein.
eigentlich nur ein flur, von dem beidseitig die damaligen schlafsäle abgingen.
sowohl durch die lichtsituation mit dem cabrio-feeling durch ein eingestürztes dachsegment, als auch durch einen direkten zugang zu einer veranda an der panke, stellte sich bei mir sofort eine gewisse heimeligkeit ein.
der historische boden tat ein übriges mich für diesen neuen standort als persönliches reha-zentrum und inspirative tankstelle zu begeistern.

eine goldene folie hinter dem kamerastandpunkt die einer früher dort probenden theatergruppe als background diente, sorgte für eine unglaubliche, warme atmosphäre die in bizarrem kontrast zur maroden restarchitektur stand.

hier eine tele / gegen-perspektive, einige tage später von der veranda aus aufgenommen.

und hier, gut sichtbar, die bereits per doppelt t-träger eingezogene empore samt treppe – demontiert aus einem der uferlosen nebentrakte.

Der Berliner Asylverein wurde von Liberalen und Sozialdemokraten gegründet und hatte am 16.3.1869 seine konstituierende Sitzung. Bereits am 3.1.1869 war es, in der Neuen Wilhelm-/Ecke Dorotheenstraße gelungen, ein provisorisches Asyl für Mädchen und Frauen zu eröffnen. Der Verein hatte für die damalige Zeit ungewöhnlich liberale Auffassungen über Menschen, die über keinen Wohnraum verfügten. Er betrachtete Obdachlose nicht als Gestrandete, sondern als Menschen in einer geradewegs ausweglosen Notlage. Der Verein beantragte 1893 beim Magistrat den Bau des Asyls in der Wiesenstraße. Die Architekten Georg Toebelmann und Otto Schmock – beide zeichneten als Mitglieder des Vereins – erhielten 1895 den Bauauftrag. In der Wiesenstraße 55 wurde das Obdachlosenasyl “Wiesenburg” dann 1896 eröffnet. Es bot 884 Männern und 400 Frauen Unterkunft. Am 29.8.1905 wurde auch der Neubau eines Asyls für Frauen genehmigt, das am 24.3.1907 eingeweiht wurde. In die “Wiesenburg” durfte keine Polizei kommen. Die Mitgliederlisten des Berliner Asylvereins wiesen Namen wie August Borsig, Carl Bolle (1832-1910), Rudolf Virchow, Hugo Heimann, Paul Singer, Oberbürgermeister Martin Kirschner, Ludwig Loewe (1837-1886) sowie den Bankier Paul Arons und den Stadtrat und späteren Oberbürgermeister Robert Zelle (1829-1901) aus.

Literaturhinweis: Berliner Morgenpost vom 13.6.1989

Posted: 22.09. 2005 in:

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